Investitionen des Bundesministerium für Verkehr
Insgesamt investierte der Bund direkt oder indirekt in 2025 ca. 0,4 Milliarden EURO in den Ausbau der Radinfrastruktur.
| Förder- und Finanzhilfeprogramme: | Haushaltsmittel 2025/M€ | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Förderung von Modellvorhaben des Radverkehrs | 20.25 | |||||
| Zuschüsse für den Ausbau und die Erweiterung des „Radnetzes Deutschland“ | 18.31 | |||||
| Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen | 15.00 | |||||
| Zuschüsse für nicht- investive Modellprojekte | 9.62 | |||||
| Förderung der Aus- und Nachrüstung von Kraftfahrzeugen mit Abbiegesystemen | 2.50 | |||||
| Förderung von Radwegen über oder unter Eisenbahnstrecken nach § 17 Eisenbahnkreuzungsgesetz (EKrG) | 7.50 | |||||
| Finanzhilfen des Bundes an die Länder: | 0.00 | |||||
| Finanzhilfen an die Länder für das „Sonderprogramm Stadt und Land“ | 180.00 | |||||
| Finanzhilfen für Radschnellwege | 22.13 | |||||
| Finanzierungsmöglichkeiten Bund: | 0.00 | |||||
| Radwegebau an Bundesstraßen ¹) | 120.00 | |||||
| Radverkehrstauglicher Ausbau Betriebswege an Bundeswasserstraßen | 10.00 | |||||
| 405.31 | ||||||
| Quelle: BMV |
Im Vergleich dazu wurden in Straßenbau 10 Milliarden EURO investiert. Dies ist zum großen Teil dem Sanierungsstau geschuldet, ein Großteil wird für die Brückensanierung an Autobahnen aufgewendet. Erfreulich sind die Investitionen für die Modernisierung des Schienennetzes in Höhe von ca. 22 Milliarden EURO.
| Verkehrsinvestitionen in Milliarden € | 2025 | 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | Summe |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Schiene | 21,781 | 84,767 | 106,548 | |||
| Straße | 10,035 | 41,868 | 51,903 | |||
| Wasserstraße | 1,630 | 5,982 | 7,612 | |||
| Quelle: BMV | ||||||
Wer die Investitionen für Rad- und Straßenverkehr nebeneinanderlegt, erkennt ein frappierendes Ungleichgewicht: Für die Radinfrastruktur fließen gerade einmal 0,004 Prozent der Mittel, die in den motorisierten Straßenbau gehen. Ein Kilometer Radweg kostet im Schnitt rund 0,5 Millionen Euro, ein Kilometer Autobahn etwa das Zwanzigfache.
Mit dem Radverkehrsetat 2025 von 0,4 Milliarden Euro ließen sich theoretisch rund 810 Kilometer Radweg bauen. Der Straßenbauetat desselben Jahres würde – rein rechnerisch – für zehn Millionen Kilometer Radweg reichen.
Diese Relationen zeigen eindrücklich, wie weit Deutschland trotz aller Ankündigungen von einer echten Verkehrswende entfernt ist
In einigen Städten wird die Uhr zurückgedreht
Der stille Rückbau: Warum Berlin beim Radwegausbau auf die Bremse tritt
Berlin bremst den Radwegausbau deutlich aus, obwohl der Radverkehr wächst. Die realisierten Kilometer gehen seit 2020 zurück, Fördermittel bleiben ungenutzt und Konflikte zwischen Senat und Bezirken nehmen zu.
| 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Radweg/km | 53.5 | 39.1 | 26.5 | 26.0 | 23.6 | 20.5 |
| Quelle: https://www.entwicklungsstadt.de/ |
Berlin erreichte 2020 mit über 50 fertiggestellten Radweg-Kilometern seinen Ausbauhöchststand, getragen auch von vielen Pop-up-Radwegen. Seitdem sinken die Zahlen jedoch stetig: 39 km (2021), 26,5 km (2022), 26 km (2023) und 23,6 km (2024). Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um neue Radwege, sondern oft nur um Modernisierungen oder Markierungsarbeiten – der tatsächliche Netzausbau fällt also noch geringer aus.
Der jährliche Radwegausbau in Berlin hat sich binnen vier Jahren fast halbiert. Zwischen Planung und Umsetzung klafft eine wachsende Lücke, und die Ziele des Mobilitätsgesetzes werden klar verfehlt.
Zwischen politischem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung klafft eine deutliche Lücke
Berlin bleibt beim Radwegausbau hinter den eigenen Ankündigungen zurück: 2025 wurden nur 20,5 Kilometer realisiert – weniger als im Vorjahr und deutlich unter den Versprechen. Als Gründe nennt die Verkehrsverwaltung Sparzwänge und fehlende „einfach umsetzbare“ Projekte. Die Planungen für 2026 fallen ebenfalls zurückhaltend aus: Vorgesehen sind acht Vorhaben, vor allem neue Fahrradstraßen, sowie lediglich drei Radwege an Hauptstraßen.
Andere europäische Städte beschleunigen – Berlin bremst
Während europäische Städte wie Paris, Kopenhagen und Barcelona ihre Radwegenetze massiv ausbauen, fährt Berlin den Ausbau systematisch herunter. Fördergelder bleiben ungenutzt, obwohl die Radnutzung in der Hauptstadt weiter steigt: 2024 waren bereits über 18 % der Menschen mit dem Fahrrad unterwegs.
Der Kurs des Senats unter Kai Wegner, Manja Schreiner und Ute Bonde sendet ein klares Signal: Der Radverkehr verliert politisch an Bedeutung. Ob dieser Kurs 2026 korrigiert wird, entscheidet die Wahl.
Der Konflikt mit den Bezirken zeigt die Folgen: In Mitte wurden zugesagte Kiezblocks trotz Anpassungen nicht mehr finanziert. Der Bezirk spricht von Hunderttausenden Euro Schaden und gebrochenen Zusagen. Ähnliche Fälle gibt es in weiteren Bezirken.
Warum die Verkehrsverwaltung abrufbare Mittel verfallen lässt, bleibt unklar. Sicher ist nur: Der eingeschlagene Weg führt Berlin vom europäischen Trend weg — nicht hin zu einer modernen Verkehrspolitik.
Fazit
Der Ausbau des Radverkehrs erfordert vor allem bessere Infrastruktur, mehr Platz auf der Straße, ausreichende Finanzierung und rechtliche Spielräume für Kommunen. Durch mehr Radverkehr könnten jährlich bis zu 19 Mio. Tonnen CO₂ eingespart werden.
Herausfordernd bleibt jedoch der Mangel an Personal und Umsetzungskapazitäten, obwohl Fördermittel vorhanden sind, fehlt in einigen Städten und Kommunen auch der politische Wille.
Eine radfreundliche Verkehrswende bringt klare Vorteile: mehr Klimaschutz, bessere Gesundheit, weniger Lärm und höhere Sicherheit.
